05.1Werdegang: früher und heute
- 1993–1995Ausbildung Kfz-Mechaniker, nicht abgeschlossen
- 1995–1996Bundeswehr, Panzerpionierkompanie 320, Dörverden
- 1996–2000Industriemechaniker bei Miele, Gütersloh
- danachBundeswehr, Selbstständigkeit, Anstellung als Führungskraft
Ich war ein schlechter Schüler. Lernen wollte ich nicht, und meine erste Ausbildung zum Kfz-Mechaniker habe ich nicht abgeschlossen.
Die Wende kam bei der Bundeswehr. In der Panzerpionierkompanie 320 in Dörverden, mit einem Monat in Goose Bay in Kanada, war ich noch kein Musterschüler. Aber ich habe Disziplin gelernt und gemerkt, wie ich lernen muss, was ich lernen will. Danach lief es anders: Von 1996 bis 2000 habe ich bei Miele in Gütersloh Industriemechaniker gelernt, diesmal mit Motivation.
Nach der Ausbildung bin ich noch einmal zur Bundeswehr gegangen. Dort habe ich noch mehr Disziplin gelernt und konnte alles umsetzen, was ich bis dahin gelernt hatte. Ich habe dort aber auch Situationen erlebt, die niemand erleben möchte. Sie beschäftigen mich bis heute, und mit manchen kämpfe ich immer noch. Das gehört zu mir und erklärt auch, warum ich manches heute anders sehe als früher.
Dann kamen viele Jahre Selbstständigkeit. Ich habe gelernt, Verantwortung zu tragen, von morgens bis abends zu arbeiten, unter Stress richtig zu entscheiden und Leute auf der Baustelle zu führen. Irgendwann kam der Punkt, an dem der Kopf nicht mehr zur Ruhe kam. Dann sollte man sich etwas anderes suchen. Der Wechsel in die Anstellung war für mich der Schritt, ruhiger zu werden. Was ich als Selbstständiger gelernt habe, nutze ich heute als Führungskraft jeden Tag.
05.2Führung und Fehlerkultur
Ich führe mein Team mit Vertrauen. Meine Monteure entscheiden selbst und arbeiten selbstständig. Solange alles läuft, halte ich mich raus. Wenn es pressiert, komme ich dazu und sorge dafür, dass die Baustelle fertig wird. Läuft etwas aus dem Ruder, werde ich deutlich.
Von mir kann man erwarten, dass ich erreichbar bin, rund um die Uhr, an 365 Tagen. Wer ein Problem hat, kommt zu mir, und wir finden gemeinsam eine Lösung. Ich bin das Bindeglied zwischen Geschäftsleitung und Baustelle. Was oben entschieden wird, kommt bei uns sauber an.
Was mich aufregt, sind Ausreden. Wenn Schuld auf Kollegen oder Projektleiter abgeschoben wird, ist der Fehler immer noch da. Gerade im Ausland, ob in Dubai, China, Brasilien oder Mexiko, muss er behoben werden, und zwar vor Ort. Früher bin ich dabei laut geworden. Ich war cholerisch, das gebe ich zu. Heute bleibe ich ruhig, sage aber klar, was mir nicht passt. Vieles nehme ich auf meine Kappe, denn oft habe ich meinen Leuten einfach noch nicht beigebracht, wie man mit so einem Fehler umgeht.
Das gebe ich auch meinen Azubis mit: Fehler passieren. Wichtig ist, dass sie behoben werden und nicht wiederkommen. Pünktlichkeit, Genauigkeit, sauberes Handwerk, Mitdenken und Lösungen finden sollen in ihnen langsam und stetig wachsen.
Im Volleyball ist es ähnlich. Als Zuspieler entscheide ich, wer welchen Ball zum Angriff bekommt. Dafür muss ich jeden kennen: Wer ist heute motiviert, wer braucht einen genauen Ball, wer kann einen schlechten Pass noch retten. Leute kennen und richtig einsetzen, das mache ich auf dem Feld genauso wie im Job.
05.3Fünf Sätze, die ich unterschreibe
- Ein Fehler ist passiert. Hier zählt die Lösung, nicht der Schuldige.
- Disziplin habe ich gelernt, nicht geerbt.
- Wenn der Kopf nicht mehr zur Ruhe kommt, muss ich etwas ändern.
- Was ich zweimal von Hand mache, baue ich mir beim dritten Mal als Werkzeug.Das gilt erst, seit ich mit KI arbeite, aber seitdem konsequent.
- Wer Verantwortung trägt, trägt auch die Fehler seiner Leute mit.
Druck und Rückschläge vertrage ich gut. Trotzdem brauche ich danach erst einmal Zeit für mich. Ich denke nach, powere mich beim Sport aus, bis der Kopf wieder klar ist. Dann spreche ich das Thema direkt bei den Betroffenen an und sage, was für mich nicht in Ordnung war. Das funktioniert erstaunlich gut.